Interview Consult.HN

Von der Idee zur Initiative: Interview mit 
Jens Lübbehüsen und Manuel Wolf, den Gründern von Consult.HN

Eine Leistung wie die Gründung einer studentischen Unternehmensberatung wirft Fragen auf: Wie entsteht so ein Projekt? Was treibt die Gründer an? Und was nimmt man aus dieser Erfahrung mit? Genau darüber haben wir mit ihnen gesprochen.

 

 

Was war eure ursprüngliche Motivation, eine studentische Unternehmensberatung zu gründen und würdet ihr es heute wieder tun?

 

Wir wollten eine Plattform schaffen, die Studierenden die Möglichkeit gibt, ihr theoretisch erlerntes Wissen in die Praxis umzusetzen und sich dabei fachlich, methodisch und persönlich weiterzuentwickeln. Wir würden es heute auf jeden Fall wieder tun, weil es eine unglaublich bereichernde unternehmerische Erfahrung war.

 

 

Welche Fähigkeiten habt ihr durch Consult.HN entwickelt, die euch heute im Berufsleben besonders helfen?

 

Wir haben uns durch die Gründung und Leitung des Vereins in verschiedensten Facetten weiterentwickeln können (z.B. Vereinsrecht, Buchhaltung, Eventmanagement, IT-Infrastrukturen, …). Am relevantesten für das Berufsleben heute ist jedoch die Fähigkeit, Probleme zu erfassen, zu strukturieren und zu lösen. Wir haben an verschiedensten Projekten gearbeitet, die thematisch mal stärker und mal weniger stark im bisherigen Studienverlauf behandelt wurden. Dadurch haben wir gelernt, uns in neue Themenstellungen einzuarbeiten und strukturierte Lösungsansätze zu entwickeln. Auch ein sehr hilfreiches Learning ist adressatengerechte Kommunikation. In der Zeit im Verein haben wir mit unterschiedlichsten Adressaten kommuniziert: Kommilitonen, Professoren, Partner, Kunden, und viele weitere. Wir haben gelernt, Inhalte entsprechend aufzubereiten und zielgerichtet zu kommunizieren.

 

 

"Unser wichtigstes Learning: Ein starkes Netzwerk macht den Unterschied."

 

 

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase und was habt ihr daraus gelernt?

 

Wir standen in der Gründungsphase vor vielfältigen Herausforderungen. Exemplarisch zu nennen sind hierbei die Akquise erster Partner und Projekte, die Gründung und Eintragung des Vereins, und die Anwerbung erster Mitglieder. Bei all dem hat uns eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der HHN und insbesondere den Professorinnen und Professoren des Studiengangs BU enorm geholfen, da wir auf weitreichende und starke Netzwerke insbesondere in der Region Heilbronn aber auch darüber hinauszugreifen konnten. Das ist auch unser größtes Learning: Ein gutes Netzwerk ist Gold wert.

 

 

Was unterscheidet aus eurer Sicht eine studentische Unternehmensberatung von klassischen Beratungen?

 

Eine studentische Unternehmensberatung verbindet die Projektarbeit mit einer Art von Lern- und Gestaltungsspielraum. Im Gegensatz zu klassischen Beratungen stehen bei uns nicht nur Effizienz und Umsatz im Vordergrund, sondern vor allem die persönliche Entwicklung der Mitglieder von Consult.HN. 

Durch unsere Neugier hinterfragen wir stärker und bringen unkonventionelle Ideen ein. Gleichzeitig arbeiten wir meist näher an der Umsetzung und sind weniger in festgefahrene Strukturen eingebunden. Das macht uns flexibel, aber erfordert auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung.

 

Gab es ein Projekt, das euch besonders geprägt hat, fachlich oder persönlich?

 

Besonders prägend war ein Projekt mit einem international tätigen Automobilhersteller, das wir über die Empfehlung einer Professorin akquirieren konnten. Für uns hatte dieses Projekt eine besondere Bedeutung, da wir nicht nur dem Kunden, sondern auch unseren Mitgliedern und uns selbst beweisen wollten, dass wir in der Lage sind, komplexe Anforderungen zu verstehen und daraus strukturiert tragfähige Lösungen zu entwickeln und überzeugend zu präsentieren.

 

Eine zentrale Lernerfahrung war dabei der Umgang mit Unsicherheit: Wir mussten lernen, souverän aufzutreten, auch wenn wir nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hatten. Genau das hat unser Selbstverständnis nachhaltig verändert – hin zu einem ernstzunehmenden Sparringspartner auf Augenhöhe.

 

Der erfolgreiche Projektverlauf hatte darüber hinaus einen spürbaren Effekt: Er führte nicht nur zu einem Folgeprojekt mit dem Kunden, sondern stärkte auch das Selbstvertrauen im gesamten Verein. Dieses Momentum hat uns maßgeblich dabei geholfen, weitere Projekte zu akquirieren und Consult.HN gezielt weiterzuentwickeln.

 

 

"Erwartungsmanagement und klare Kommunikation sind entscheidend."

 

 

Welche Erfahrung bei und mit Consult.HN hat euch am meisten geprägt, gerade weil sie nicht wie geplant gelaufen ist?

 

Eine der lehrreichsten Erfahrungen war ein Projekt, das nicht wie geplant verlaufen ist — insbesondere, weil wir zu Beginn die Erwartungen des Kunden nicht klar genug abgegrenzt haben.

 

Im Verlauf wurde deutlich, dass wir unterschiedliche Vorstellungen vom Projektergebnis hatten. Das hat zu Unstimmigkeiten geführt und uns gezwungen, nachzusteuern und auch unbequeme Gespräche zu führen.

 

Rückblickend war genau das extrem wertvoll: Wir haben gelernt, wie wichtig Erwartungsmanagement, zielgerichtete Kommunikation und auch das Setzen von Grenzen sind. 

 

 

"Die größten Lernmomente entstehen oft außerhalb des Hörsaals."

 

 

Warum sollten sich heutige Studierende außercurricular engagieren und worauf sollten sie dabei achten?

 

Außercurriculares Engagement bietet die Möglichkeit, Fähigkeiten zu entwickeln, die im Studium zu kurz kommen können: Verantwortung übernehmen, im Team arbeiten und mit realen Kunden interagieren.

 

Gerade in einer studentischen Unternehmensberatung erlebt man sehr früh, was es heißt, Projekte selbstständig voranzutreiben und für Ergebnisse eigenverantwortlich einzustehen. 

 

Wichtig ist dabei, bewusst zu wählen, wofür man sich engagiert: Es sollte nicht nur um den Lebenslauf gehen, sondern um echtes Interesse und die Bereitschaft, Zeit und Energie zu investieren. Gleichzeitig sollte man darauf achten, sich nicht zu überlasten und sein Studium nicht zu vernachlässigen.

 

Vielen Dank für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke. Für die Zukunft wünschen wir euch viel Erfolg und alles Gute!

 

 

Von links nach rechts:

Manuel Wolf, Prof. Dr. Thomas Kaiser, Jens Lübbehüsen

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