Interview Lisa Schmitt

Zwischen Strategieberatung, Start-up Szene und Social Media: Lisa Schmitt zeigt, wie vielseitig der Weg nach dem Studium aussehen kann

 

Lisa Schmitt ist eine Macherin, wie sie im Buche steht. Alumna der Hochschule Heilbronn (BU), Mitgründerin der studentischen Beratung Consult.HN, heute Strategie-Beraterin bei Accenture und gleichzeitig neben Samuel Keitel das Gesicht hinter dem Zukunftswiesen Summit. Dass sie nebenher auf Instagram über 90.000 Menschen für Fitness und Ernährung begeistert, lässt eine Frage offen: Lisa, wann schläfst Du eigentlich? Und was treibt Dich an, diese unterschiedlichen Welten – vom Weltmarktführer-Mittelstand bis zur dynamischen Start-up-Szene – so leidenschaftlich zu verbinden?

 

 

 

Dein Weg startete an der HHN im Studiengang Betriebswirtschaft und Unternehmensführung. Wenn du zurückblickst: Welches Modul oder welcher Moment im Studium war der eigentliche „Zündmoment“ für deine Karriere?

Im Modul „Businessplanung für Neuprodukte“ habe ich zum ersten Mal ernsthaft über Geschäftsideen nachgedacht und gelernt, wie man einen Businessplan schreibt sowie Finanzen modelliert. Das waren wichtige Learnings, von denen ich gerade zu Beginn meiner unternehmerischen Reise enorm profitieren konnte.

 

 

Viele Studierende scheuen das Engagement neben den Vorlesungen. Inwiefern hat dir die Arbeit in der Fachschaft der Fakultät Wirtschaft und bei Consult.HN einen konkreten Vorsprung beim Berufseinstieg verschafft?

 

Gerade im heutigen Arbeitsmarkt reicht es nicht aus, einfach nur gut in der Uni zu sein. Studierende, die die Extrameile gehen, verschaffen sich einen Vorteil. Genau das hat auch mir im Bewerbungsprozess geholfen, meine Motivation und meinen Antrieb glaubwürdig zu vermitteln. Neben dem offensichtlichen Beitrag zum Lebenslauf profitiert man vor allem in Bewerbungssituationen und Assessment Centern: Wer in der Fachschaft oder bei Consult.HN aktiv war, hat gelernt, Stakeholder richtig zu managen, klar zu kommunizieren und Meetings zu moderieren und hinterlässt damit automatisch einen kompetenten, professionellen Eindruck. Gleichzeitig lernt man, Verantwortung zu übernehmen und selbst Initiative zu ergreifen. Das macht sich im Gespräch oder im Assessment Center sofort bemerkbar: Man nimmt ganz natürlich eine proaktive Rolle ein  und genau das ist es, was Unternehmen suchen.

 

 

Warum Innovation oft an Strukturen scheitert

 

 

 

Heute bist du Beraterin bei einem globalen Giganten wie Accenture. Dort triffst du auf etablierte Strukturen. Warum scheitern deiner Erfahrung nach viele gute Innovations-Ideen in großen Unternehmen an der Umsetzung?

 

Oft scheitert es am fehlenden Leadership-Buy-in und an mangelndem Change Management in der Organisation. Transformation und Innovation müssen durch Entscheider und Führungskräfte aktiv in die Unternehmenskultur getragen werden. Gleichzeitig braucht es kurze Entscheidungswege, um wirklich agil vorgehen zu können. Innovative Ideen sterben oft nicht an ihrer Qualität, sondern an zu langen Freigabeprozessen. Daher braucht es ein klares Commitment von den Entscheidern: Sie müssen sich die Zeit nehmen, Ideen aktiv voranzutreiben, zeitnah Feedback zu geben und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

 

 

Du erreichst auf Instagram über 90.000 Menschen. Inwiefern hilft dir dieses tiefe Verständnis für digitale Zielgruppen und Algorithmen dabei, den Zukunftswiesen Summit nicht nur als Event, sondern als echte Marke zu etablieren?

 

Das hilft mir sowohl handwerklich als auch strategisch. Handwerklich im Sinne von Content-Erstellung, Videoschnitt und Community-Management. Außerdem habe ich gelernt, wie man Menschen aktiviert, virale Inhalte erzeugt und zur aktiven Mitgestaltung animiert. Das hat sich vor allem rund um den Summit ausgezahlt. Unsere Besucher haben als Multiplikatoren eigene Beiträge geteilt und so die Reichweite organisch vervielfacht. Strategisch habe ich gelernt, wie man Communities aufbaut, Markenbotschaften gezielt platziert und ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Das zahlt direkt auf den Summit ein. Wir haben eine starke DNA – jeder, der dabei ist, weiß genau, wofür der Zukunftswiesen Summit steht.

 

 

Bei diesem Pensum: wie sieht dein persönliches System aus, um nicht auszubrennen? Wie definierst du für dich „Erfolg“?

 

Neben meinem Vollzeitjob in der Beratung und allem, was ich so „nebenbei“ mache, ist mein wichtigster Ausgleich der Sport. Täglich gehe ich ins Fitnessstudio oder laufen, meistens früh morgens. Das gibt mir einen frischen Kopf für den Tag und oft habe ich bereits beim Sport die ersten Ideen und To-dos notiert. Erfolg hängt für mich nicht von Titeln oder Auszeichnungen ab. Erfolgreich bin ich dann, wenn ich einen echten Impact habe und Unternehmen oder Menschen positiv beeinflussen kann.

 

 

Zwischen High Tech und Hidden Champions

 

 

Mit dem Zukunftswiesen Summit bringst du „Gummistiefel und High-Tech“ zusammen. Gab es einen spezifischen Moment, in dem du und Samuel Keitel wusstet: Wir müssen diesen Summit genau hier in der Region gründen?

 

Samuel und ich haben uns bei Campus Founders in Heilbronn kennengelernt. Ich war im Programm „Talent Scholarship“, er war Praktikant im „AI Founders“-Programm. Dort hatten wir unsere ersten Berührungspunkte mit dem Ökosystem rund um Start-ups und Innovation in Heilbronn. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass die „Hidden Champions“ wie Würth oder ebm-papst in Hohenlohe enorm davon profitieren könnten. Obwohl es nur 45 Kilometer sind, die zwischen Heilbronn und Hohenlohe liegen, sind es gefühlt doch zwei verschiedene Welten. Daher war für uns klar: Wir müssen die Innovationen in die Region der Weltmarktführer bringen, um dort den Austausch zu fördern.

 

 

Du betonst oft, dass Mittelstand und Start-ups voneinander lernen müssen. Wo liegt aktuell das größte Missverständnis zwischen dem Hidden Champion aus Hohenlohe und dem jungen Gründer aus Berlin?

 

Das größte Missverständnis liegt in der Kombination aus Kultur, Agilität und Prozessverständnis. Der Hidden Champion aus Hohenlohe denkt in Jahreszyklen, langen Planungshorizonten und stabilen Strukturen. Das hat ihn groß gemacht und das ist auch gut so. Der Gründer aus Berlin denkt in Sprints, testet schnell, scheitert bewusst und iteriert. Diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten führen auf beiden Seiten schnell zu Frustration, wenn man sich nicht versteht. Hinzu kommt der Umgang mit Technologie: Während Start-ups KI-enabled Prozesse bereits als Standard verstehen, kämpfen viele Mittelständler noch mit Legacy-Systemen und analogen Workflows. Das ist kein Versagen, es ist eine riesige Chance. Wenn beide Seiten bereit sind, voneinander zu lernen, entsteht etwas Einzigartiges: die Geschwindigkeit und Risikobereitschaft des Start-ups kombiniert mit der Substanz, den Ressourcen und den globalen Netzwerken des Mittelstands.

 

 

Warum sollten gerade Studierende den Zukunftswiesen Summit besuchen? Was erwartet sie dort, was kein Lehrbuch bieten kann?

 

Auf dem Zukunftswiesen Summit erwartet Studierende etwas, das kein Lehrbuch und keine Vorlesung bieten kann: echte Gespräche auf Augenhöhe mit Entscheidern und Führungskräften aus der Praxis. Aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Technologie, die im Studienalltag oft zu kurz kommen, bekommen hier ihren Raum. Es geht um nahbaren, persönlichen Austausch und nicht um Frontalvortrag oder anonyme Netzwerkveranstaltungen. Vor allem aber bietet der Summit Impulse und Motivation: den Anstoß, selbst Verantwortung zu übernehmen, Ideen anzugehen und Teil einer Gemeinschaft zu werden, die Zukunft aktiv gestaltet. Wer einmal dabei war, geht mit einem anderen Blick auf die eigene Rolle und die eigenen Möglichkeiten nach Hause.

 

 

Die Zukunft gehört den Machern

 

 

Wenn du heute noch einmal im ersten Semester im Studiengang BU sitzen würdest: In welches Thema oder welches Projekt würdest du sofort deine Zeit investieren?

 

Ich würde mich sofort in KI und Tools wie Claude, Claude Code, N8N und Make.com einarbeiten. KI-enabled Prozesse sind heute keine Zukunftsmusik mehr, sie sind die Grundlage für effizientes Arbeiten, schnelles Prototyping und neue Geschäftsmodelle. Wer frühzeitig versteht, was mit diesen Tools möglich ist, verschafft sich einen enormen Vorsprung, unabhängig davon, ob man gründen, in die Beratung oder in ein Unternehmen gehen möchte. Gleichzeitig würde ich von Anfang an lernen, einen kritischen Verstand zu bewahren: KI zu nutzen bedeutet nicht, ihr blind zu vertrauen. Es geht darum, Outputs zu hinterfragen, Prozesse gezielt zu gestalten und KI als Werkzeug – nicht als Ersatz – für das eigene Denken einzusetzen.

 

 

Zum Abschluss: Welchen einen Rat gibst du den Zukunftsmachern von morgen mit auf den Weg, die vielleicht gerade noch an ihrer ersten Idee zweifeln?

 

„Just do it“! Ich komme aus dem Sport, und der Satz von Nike gilt genauso für Unternehmer. Einfach machen. Scheitern gehört genauso dazu wie Erfolge. Wenn du es nicht probierst, wirst du auch nicht gewinnen können. Entweder du versuchst es, scheiterst und lernst daraus oder du bist erfolgreich. Beides sind nur positive Dinge, die dich auf deinem Weg weiterbringen. Vor allem das Scheitern bringt oft die besten Learnings und liefert im besten Fall wichtige Erkenntnisse darüber, was für Kunden tatsächlich relevant ist, damit du daraus ein echtes Produkt bauen kannst.

 

 

Vielen Dank, Lisa, für die spannenden Einblicke, inspirierenden Gedanken und die Motivation, Zukunft aktiv mitzugestalten. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg und freuen uns darauf, deine weiteren Projekte und Ideen zu verfolgen.

 

 

 

 

 

 

Lisa Schmitt mit den Studierenden des BU Honors Programs

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